Nach 1988 stieg die Einwohnerzahl in Andernach -vor allem wegen der Wiedervereinigung und der Öffnung Osteuropas- bis zur Jahrtausendwende um rd. 3.000 Einwohner an und liegt seitdem stabil bei knapp 30.000 Einwohnern.
Der dadurch in den 90iger Jahren entstandene große Wohnungsbedarf machte neue Wohngebiete erforderlich:
Am Hammerweg (ab 1990) entstanden im 1. Bauabschnitt vor allem Mehrfamilienhäuser, im 2. Bauabschnitt (ab 2004) dann überwiegend Einfamilienhäuser, wie auch im Baugebiet Am Kirchberg (Fraunhoferstraße, ab 1994) und Am Burgerbergweg (ab 2003) wo vor allem Ein- und Zweifamilienhäuser errichtet wurden.
Mit dem Baugebiet Martinsberg II (Picassoring, ab 2002) wurde noch ein attraktives Wohngebiet in Zusammenarbeit mit einem privaten Projektentwickler erschlossen.
Nach Aufstellung des neuen Flächennutzungsplans, der 2005 wirksam wurde, wurde ein weiteres Wohngebiet im Stadtteil Eich erschlossen (Nickenicher Straße, ab 2004, in Kombination mit Kleingewerbe) und im Stadtteil Kell die Planung für das Gebiet Pönterberg II abgeschlossen (2009, als Erweiterung des Gebiets Pönterberg I aus dem Jahr 2000), dessen Realisierung demnächst bevorsteht.
Weitere Planungen von Baugebieten laufen zurzeit noch als Erweiterung des Gebiets Am Kirchberg (Einsteinhof, voraussichtlich 2012) und im Stadtteil Miesenheim (Am Roten Kreuz, voraussichtlich ab 2013).
In Zukunft wird aber die Ausdehnung der Kernstadt am Stadtrand und in den Stadtteilen weniger Bedeutung haben, denn die planerische Zielsetzung richtet sich verstärkt auf die städtebauliche Innenentwicklung Andernachs als Wohnstandort wie auch für Handel und Gewerbe. Ein großer Schritt in diese Richtung wurde bereits mit der Umwidmung des früheren Gewerbegeländes zwischen Krankenhaus und Scheidsgasse beschritten, wo im Rahmen der Neufassung des Bebauungsplans Stiftshospital und Umgebung im „Rheinpark“ mehr als 250 neue Wohnungen in direkter Innenstadtnähe seit 1999 entstanden sind und noch weiter entstehen werden.
Auch im Bereich des Handels ist eine verstärkte Konzentration auf den inneren Stadtbereich und die Attraktivitätssteigerung der Andernacher Altstadt erfolgt:
Wurde 1998 der Nachholbedarf an Einzelhandelsflächen gegenüber dem Umland noch an der Koblenzer Straße durch Umnutzung früherer Gewerbeflächen mit dem Bebauungsplan „Einkaufswelt in Andernach“ gedeckt, so wurde 2009 mit dem Umbau des leerstehenden Kaufhauses Horten/Rupprecht zur attraktiven Stadthausgalerie ein wichtiger Markstein für die Belebung der Innenstadt als Einzelhandelsstandort gesetzt.
Außerdem wurden umfangreiche neue Gewerbe- und Industriegebiete mit unterschiedlicher Prägung erschlossen:
Im Gewerbegebiet an der B 9 (Lohmannstraße, ab 1991) konnte die Industrie- und Arbeitsplatzstruktur der Stadt durch Ansiedlung neuer Firmen, insbesondere aus dem medizinisch-technischen Bereich, auf weitere zukunftsträchtige Branchen verbreitert und der Wegfall der traditionellen Mälzereien und des holzverarbeitenden Gewerbes mehr als ausgeglichen werden. Weitere Schritte waren die Realisierung des Büroparks Rennweg (ab 1993), womit ein neuer Gebietstyp speziell für Büros, Dienstleistungen und Freizeiteinrichtungen geschaffen wurde, sowie die Erschließung des Industrieparks B 256/B 9 (Am Weißen Haus, ab 2000) über eine erfolgreiche städtebauliche Entwicklungsmaßnahme.
Der künftige Schwerpunkt der Planungen wird sich weiter auf den Altstadtbereich konzentrieren: Hier wurden bereits mit dem für Stadtbild und Wohnqualität sehr positiven Abbruch der Weissheimer-Malzsilos (2008) und dem im Dialog mit den Bürgern erarbeiteten Zielkonzept Innenstadt (2008) Vorbedingungen geschaffen, die jetzt den Bereich der westlichen Altstadt zwischen Marktplatz und Kirche Maria Himmelfahrt deutlich verbessern sollen. Hier ist im begonnenen Jahrzehnt im Rahmen des Förderprogramms „Historische Stadtbereiche“ mit Zuschüssen aus Landes- und Bundesmitteln sowohl die Modernisierung und Verbesserung privater erhaltenswerter Gebäude als auch die Verbesserung der Aufenthaltsqualität und der Gestaltung im öffentlichen Raum auf der Grundlage des hierzu erarbeiteten Entwicklungskonzepts mit dem Rahmenplan „Westliche Altstadt“ vorgesehen. Das Gelände der früheren Mälzerei kommt für Wohnbebauung und die dauerhafte Sicherung der hier freigelegten römischen Funde sowie als attraktiver Standort für ein größeres Hotel in Betracht.
Damit kann an die erfolgreiche Altstadtsanierung Andernachs angeknüpft werden, die bereits Anfang der 70iger Jahre mit den ersten vorbereitenden Untersuchungen begann und die 2010 mit Abschluss der Sanierungsverfahren für den östlichen Teil der Altstadt endete.
Auch weiterhin wird es das Ziel sein, die Stadt Andernach als attraktiven, familienfreundlichen Wohnstandort mit einer Vielfalt unterschiedlicher Angebote, als zukunftsorientierten und arbeitsplatzsicheren Gewerbestandort, als überschaubare, attraktive und zum Bummeln einladende Einkaufsstadt und nicht zuletzt auch als wichtiges touristisches Zentrum am Mittelrhein im Zusammenwirken zwischen Bürgern, Stadtrat und Verwaltung auf allen Ebenen weiter zu entwickeln.