„Culinacum“: Bundesministerin übergibt Urkunde

Das geplante „Culinacum“-Projekt am Runden Turm geht voran. Nachdem das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen das Projekt ins Bundesprogramm Nationale Projekte des Städtebaus 2022 aufgenommen hat und es mit einer Summe von 4,63 Millionen Euro fördert, überreichte jetzt Bundesbauministerin Klara Geywitz in Berlin die Förderurkunde an Bürgermeister Claus Peitz. Andernach ist eine von bundesweit 18 Städten, die mit ihrer Bewerbung erfolgreich waren.

Im Rahmen dieses Bundesprogramms werden investive sowie konzeptionelle Projekte mit besonderer nationaler bzw. internationaler Wahrnehmbarkeit, mit sehr hoher fachlicher Qualität, mit überdurchschnittlichem Investitionsvolumen oder mit hohem Innovationspotenzial gefördert. Sie zeichnen sich durch einen besonderen Qualitätsanspruch („Premiumqualität“) hinsichtlich des städtebaulichen Ansatzes, der baukulturellen Aspekte und von Beteiligungsprozessen aus.

„Sie tragen dazu bei, Stadtentwicklung zu fördern, die in die Zukunft gerichtet ist“, sagte Geywitz bei der Urkundenübergabe. „Der Transformationsbedarf unserer Städte und Gemeinden ist riesig. Die Nationalen Projekte des Städtebaus sind großartige Praxisbeispiele“, so die Ministerin. Peitz dankte der Ministerin und betonte, dass Andernach nun einen weiteren wichtigen Schritt in der Stadtentwicklung gehen kann: „Jetzt ernten wir direkt die Früchte unseres weltweit einzigartigen Modells der ‚Essbaren Stadt‘.“ Denn dieses Modell, mit dem Andernach seit zwölf Jahren eine Vorreiterrolle in Sachen Stadtentwicklung, Klimaschutz und Nachhaltigkeit einnimmt, sei die Basis für die jetzt gewährte Förderung.

Aus 79 Bewerbungen waren 18 als Nationale Projekte des Städtebaus für eine Förderung in 2022 ausgewählt worden. Eine Jury aus Fachjurorinnen und -juroren sowie Mitgliedern des Deutschen Bundestags unter Vorsitz des Parlamentarischen Staatssekretärs Sören Bartol hatte die aktuelle Projektauswahl getroffen.

In Andernach soll mit der Förderung das Areal um den Runden Turm gestaltet werden. 4,63 Millionen Euro erhält die Stadt aus Bundesmitteln, um das „Culinacum“ zu errichten. Am Runden Turm, dem Wahrzeichen der Stadt aus dem 15. Jahrhundert, soll ein Museumsneubau mit Impulswirkung für das Stadtzentrum entstehen, indem neben der Geschichte der Stadt auch die kulturhistorische Bedeutung der Nahrungsmittelproduktion nahegebracht und der „Essbaren Stadt“ ein neues Zentrum gegeben werden soll.

Das Projekt „Culinacum“ soll ein gemeinsames Zentrum für die „Essbare Stadt“ und das Stadtmuseum sein, das Alt und Neu, Innen- und Außenbereich am Runden Turm miteinander verbindet. Die Fördersumme von 4,63 Millionen Euro wird vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung auf Basis einer Zweidrittel-Förderung zur Verfügung gestellt. Das Projekt wird innerhalb von fünf Jahren umgesetzt.

Auf dem an der Konrad-Adenauer-Allee gelegenen ehemaligen Parkplatz am Fuße des Runden Turms entsteht ein Neubau, in den ein Teil der Stadtmauer integriert wird. Die Stadtmauer selbst, die hier teilweise noch aus der spätrömischen Zeit stammt, soll von zwei Seiten aus erschlossen und begehbar gemacht werden.

Auf dem Außengelände im Bereich des ehemaligen großen Parkplatzes soll teilweise ein Museumsgarten entstehen. Hier werden – ganz im Sinne der „Essbaren Stadt“ – historische Nutzpflanzen angebaut. Geschichte soll fühl-, riech- und schmeckbar erschlossen und erlebt werden können. In einer Museumsküche können die Besucherinnen und Besucher die Verarbeitung der angebauten Nutzpflanzen erleben. Auf diese Weise soll sich den Themenfeldern Nachhaltigkeit und Klimabewusstsein innovativ genähert werden, auch in Hinblick auf die Zielgruppen der Kinder und Jugendlichen.

Das eigentliche Stadtmuseum wird in den Komplex inhaltlich und räumlich eingebunden: So ist geplant, auch die Fassaden und Dächer der Neubauten weitgehend essbar zu begrünen; Innen- und Außenbereiche werden hierdurch miteinander verklammert. Die Ausstellungskonzeption sieht vor, die Andernacher Stadtgeschichte anhand der Ernährungsgeschichte zu schildern: Was aß der römische Soldat FIRMVS Mitte des 1. Jahrhunderts n.Chr. in Andernach und wie schmeckte Victor Hugos Mittagessen, als er 1840 im Gasthaus am heutigen Merowingerplatz abstieg? Auch die Funktion der in Andernach über Jahrtausende hinweg gehandelten Mühlsteine und ihr Beitrag zur Zivilisationsentwicklung kann man hier erleben.

Besonders wichtig ist die jetzt gegebene Möglichkeit, die umfangreiche Sammlung des Museums, die gerade neu inventarisiert wird, dauerhaft und angemessen aufzubewahren. Bisher mussten Tausende wertvoller Objekte aus der Andernacher Stadtgeschichte auf dem Speicher des jetzigen Museums (eingerichtet 1936) im Haus von der Leyen und mehreren im Stadtgebiet verteilten Außendepots deponiert werden.

Neue, größere Ausstellungsflächen, eine moderne Museumseinrichtung und ein grundlegend neues, zukunftsgewandtes Konzept in Verbindung mit der erfolgreichen „Essbaren Stadt“ bringen das Museum ins 21. Jahrhundert.