Niedrigwasser: Rhein gibt Schätze frei

Der aktuell rekordverdächtig niedrige Rheinpegel gab jetzt am Alten Krahnen eine Grabplatte sowie das Fragment eines großen Mühlsteins frei. Auf das ungewöhnliche Strandgut waren Forscher schon vor längerer Zeit aufmerksam geworden, eine Bergung war aber zu aufwändig. Das jetzige Niedrigwasser gab nun Anlass, das Fragment mithilfe des städtischen Bauhofes und einer Mendiger Firma für das Stadtmuseum zu bergen, sehr zur Freude von Bürgermeister und Kulturdezernent Claus Peitz. „Unsere Heimatstadt ist Geschichte pur. Und es freut mich immer wieder, wenn Zeugen der Vergangenheit geborgen und der Bürgerinnen und Bürgern in unserem Museum zugänglich gemacht werden können“, erläuterte Peitz während des Ortstermins.

Anhand der Schriftform kann die Grabplatte in das 16. oder frühe 17. Jahrhundert datiert werden. Da die Platte nur noch unvollständig erhalten ist, ist der Name des Toten nicht mehr zu rekonstruieren. Wie die Grabplatte in den Rhein gelangte, lässt sich nicht mehr sagen. Fest steht, dass am Alten Krahnen, errichtet zwischen 1554 1557, mehrere Grabplatten „recycelt“ wurden, insbesondere im Bereich der Treppe am ehemaligen Eisbrecher. In der Fachsprache spricht man bei solchen wiederverwendeten Objekten von „Spolien“.

Vielleicht hatte sich die Grabplatte irgendwann aus dem Mauerwerk gelöst und ist beim Fall in den Rhein in zahlreiche Stücke zerbrochen. Möglicherweise war sie einstmals auch Bestandteil der Treppe. Wer genau hinsieht, entdeckt an der Treppe, die rechts neben dem Andernacher Wahrzeichen zum Rhein hinab führt, noch mehrere Inschriften auf den Stufen. Hierbei handelt es sich ebenfalls um „recycelte“ Grabplatten des 15. bis 17. Jahrhunderts.

Den Fachleuten ist bekannt, dass im Mariendom sowie insbesondere in der Minoriten-Franziskanerkirche (heute ev. Christuskirche) zahlreiche Andernacher Bürger und Adelige bestattet wurden. Die Grabplatten im Fußboden der Kirchen waren im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts zumeist entfernt worden. Was danach mit ihnen geschah, ist häufig unbekannt. Es steht zu vermuten, dass einige als Baumaterial verkauft und entsprechend zweitverwendet wurden. Die Grabplatte wird nun gereinigt und im Depot des Stadtmuseums aufbewahrt.